2014 // Gone Girl

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Sponskonaut
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2014 // Gone Girl

Beitrag von Sponskonaut »

Auch so ein Film, den ich irgendwie ewig vor mir her geschoben habe, ist David Finchers "Gone Girl - Das perfekte Opfer". Aber auch wenn Fincher einer der wenigen Hollywood-Regisseure ist, die ich noch mag, konnte mich dieser Output überhaupt nicht überzeugen - eher noch wurde ich bitter enttäuscht.


  Handlung
Die Story ist eine Thriller-Geschichte, basierend auf einer Romanvorlage aus dem Jahre 2012, die von Hollywood-Aktrice Reese Witherspoon und deren Produktionsfirma Pacific Standard adaptiert wurde. Nick Dunne (Ben Affleck) und seine Frau Amy (Rosamund Pike) führen die vermeintlich perfekte Ehe. Als Nicks Partnerin am 5. Hochzeitstag spurlos verschwindet, gerät der Ehemann schnell ins Visier der Polizei, wobei Familienmitglieder als auch die Medien eine nicht unwesentliche Rolle spielen...
Vorab muss man erwähnen, dass man sich vom relativ gut gemachten Trailer nicht in die Irre führen lassen sollte. Was dem Zuschauer in diesen wenigen Minuten präsentiert wird, spiegelt nicht das wider, was man in den geschlagenen drei Stunden zu sehen bekommt. Statt einem Noir-Thriller, wie man ihn vermutlich eigentlich erwartet, versucht sich David Fincher vielmehr an einem Genre-Mix aus Thriller, Mediensatire, Charakterstudie und Familiendrama - was, wie ich finde, genau das ist, woran der Streifen letztlich krankt. Für mein subjektives Empfinden kann sich der Film einfach nicht entscheiden, was er denn nun sein möchte. Was am Ende eben dazu führt, dass keine Richtung, die die Geschichte einschlägt, konsequent und überzeugend erzählt wird. Die Story taumelt zwischen den Genres.

Fesselnd ist ja noch irgendwie das erste Drittel des Films, als noch unklar ist, ob und was Nick Dunne mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun hat. Eigentlich hatte ich vorab auch gedacht, dass es sich die ganze Zeit um diese Frage drehen würde, bis im zweiten Drittel [spoiler]dann irgendwann die Figur der Amy näher beleuchtet und damit der spannendste Plot gleich mal aufgelöst wird.[/spoiler] Als letztes Drittel gesellt sich zu diesem "Genre-Gebilde" noch ein Schuss Mediensatire, was für meinen Geschmack dann schon wieder "too much" war, nachdem ich erwartet hatte, man würde es mit einem tiefgründigen Mix aus Thriller und Drama zu tun bekommen. Wie gesagt, der Film schneidet vieles an, durchdringt aber kein Genre auf überzeugende Art und Weise.

Ebenso schemenhaft bleiben die Protagonisten. Auch hier schwächelt augenscheinlich das Drehbuch, das es einfach nicht schafft, die Figuren wirklich greifbar oder gar "interessant" zu machen. Ich selbst kann jedenfalls nicht sagen, dass mich einer der Charaktere "abgeholt" hätte. Die Akteure bleiben für meinen Geschmack zu blass und "zu weit weg" und können schlicht nicht überraschen, weil vieles sehr vorhersehbar wirkt. Gleiches gilt für die vermeintlichen Plot-Twists, die ich als genauso wenig überraschend empfunden habe. Insgesamt fand ich sowohl Figuren als auch Story viel zu konstruiert und unglaubwürdig. Von den Logiklöchern und den damit einhergehenden offenen Fragen (vor allem zum zugegebenermaßen abrupten Schlussakt hin) fange ich gar nicht erst an, allerdings auch nur, weil ich ein Zuschauer bin, der ohnehin kein "Erbsenzähler" ist, was "Details" angeht.

Dass mich die Figuren nicht überzeugen konnten, lag aber sicherlich nicht nur am Drehbuch, sondern zu einem großen Teil auch an den Darstellern selbst. Eigentlich war ich Ben Affleck nie so wirklich abgeneigt und konnte die Kritik an seinem angeblich mäßigen Schauspiel nie wirklich nachvollziehen. Ich kann auch spontan gar nicht genau sagen, wie viele Filme ich von ihm schon gesehen habe. In "Gone Girl" fand ich ihn aber zugegebenermaßen durch und durch leblos, sodass mir mal aufgefallen ist, dass sein Mimenspiel tatsächlich arg limitiert scheint. Rosamund Pike macht ihre Sache da schon überzeugender, wobei ich aber auch nicht nachvollziehen kann, wie man ihr hier "Genialität" attestieren kann. Kim Dickens, die man auch aus "Fear the walking Dead" kennt und wegen der ich mir diesen Streifen hauptsächlich ansehen wollte, macht da auf mich noch den angenehmsten Eindruck, da sie weder durch Overacting noch durch talentloses Spiel auffällt.

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An sich ist die Message des Films schon eine ganz interessante. Es geht um Schein und Sein (sowohl in den Medien als auch in Beziehungen) und eben darum, wie die Dauerberieselung der Medien-Maschinerie unser eigenes Verhalten - und damit unser Leben - nachhaltig beeinflusst. Selbstdarstellung ist beispielsweise ein herausstechendes Thema in der ganzen Geschichte.

Aber wie schon gesagt, ist mir jedes Genre, das der Streifen thematisiert, viel zu oberflächlich angeschnitten. Möchte man eine Mediensatire sehen, die wirklich den Kern der Problematik betrifft, sollte man sich "Wag the Dog" anschauen. Was mitreißende Thriller angeht, hat Regisseur David Fincher mit "Sieben" selbst schon Maßstäbe gesetzt. Und was überzeugende Dramen angeht, fange ich lieber gar nicht erst mit Aufzählungen an.

Alles in allem ist "Gone Girl" für mich (mal wieder) ein grandioses Beispiel für "über-gehyptes" Hollywood-Kino - und nach Christopher Nolan ist David Fincher der nächste Traumfabrik-Regisseur, der mich allmählich immer mehr enttäuscht. Ich kann mich da leider nur wiederholen: Durch derartige Werke, die vielerorts über den grünen Klee gelobt wurden, sich letztlich aber eher als "heiße Luft" entpuppt haben, werden amerikanische Produktionen für mich immer uninteressanter. Schade.

Meine Wertung: [popcorn] von 5 Popcorn-Portionen
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- Henry David Thoreau
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annaliese12
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Beitrag von annaliese12 »

Ich finde diesen Film auch voll cool.
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