2021 // Kate

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Sponskonaut
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2021 // Kate

Beitrag von Sponskonaut »

Lange habe ich diesen Film vor mir hergeschoben, gestern habe ich mir "Kate" endlich mal geschaut. Zu verorten ist der Streifen zweifelsohne im Action-Genre. Zu sehen ist der Film auf Netflix.


  Handlung
Kate (Mary Elizabeth Winstead) verdingt sich als Auftragskillerin und erledigt ihren Job stets professionell und zuverlässig. Eine Mission bewegt Kate allerdings dazu, sich aus dem tödlichen Gewerbe verabschieden zu wollen. Doch dann wird die Elite-Killerin vergiftet, sodass ihr letzter Auftrag fehlschlägt. Sie erfährt, dass sie nur noch 24 Stunden zu leben hat – und will denjenigen finden, der dafür verantwortlich ist, um sich zu rächen.

Um es genremäßig noch etwas genauer einzuordnen: "Kate" ist so ein typisches Revenge-Flick wie "John Wick", das sich sehr stark am ostasiatischen Action-Kino orientiert. Die Reihe mit Keanu Reeves tut im Grunde auch nichts anderes. Es geht meist um einen einsamen, wortkargen Rächer, der sich in irgendeiner nächtlichen Großstadt durch den kriminellen Sumpf prügelt und ballert, um irgendeinen Gangsterboss zur Strecke zu bringen. So oder so ähnlich kann man eigentlich fast jeden Rache-Thriller zusammenfassen. Wer mal einen solchen "im Original" sehen will, sollte sich beispielsweise den südkoreanischen " A Company Man" oder "Bittersweet Life" geben. Aber die Liste ist endlos und man findet im Netz einige Aufzählungen und Empfehlungen.

Wie gesagt, "Kate" schlägt genau in diese Kerbe, und zwar so genau, dass man im Laufe der satten 106 Minuten permanent das Gefühl hat, das alles irgendwo schon unzählige Male "in besser" gesehen zu haben. Zugegeben, die Action-Szenen und Martial-Arts-Sequenzen sind solide inszeniert und teilweise ganz schön explizit und brutal, aber wer sich ein bisschen mit der Materie auskennt, wird die qualitativen Unterschiede zu den asiatischen Vorbildern zweifelsohne erkennen. Was mir definitiv aber am negativsten aufgefallen ist, war die Autoverfolgungsjagd, die unnötigerweise und ganz offensichtlich mit CGI-Einsatz gemacht wurde. War für mich einfach ein grober Fremdkörper in dem ganzen Film, der über weite Strecken auf handgemachte Action setzt. Zumal die Szene so übertrieben bunt und für das heutige Actionkino bezeichnend auch viel zu hektisch geschnitten ist.

Aber auch erzählerisch hat die Netflix-Produktion nicht viel mehr Substanz. Klar, ein bisschen Emotionalität und psychologische Ansätze wurden zwar verwurstet, aber unter dem Strich bleibt ein "herkömmlicher" Revenge-Thriller, der streckenweise mit der typischen Ober-Coolness und den obligatorischen Stilmitteln zu begeistern versucht. Auch ein schon so oft dagewesenes Element: der nervige Teenager, der sich wie eine Klette an den stoischen Antihelden anheftet. Gleiches gilt für den gesamten Handlungsverlauf: Es werden auch hier die typischen, vermeintlichen Plot-Twists implementiert, die schon vor 20 Jahren nicht überraschend waren... Dementsprechend hat sich das für mich doch schwer auf den Unterhaltungswert niedergeschlagen, sodass ich während des Films immer mal wieder zum Smartphone gegriffen habe. Was für mich immer das eindeutige Indiz dafür ist, dass mich eine Erzählung einfach nicht gänzlich packen kann.

Schauspielerisch ist hier niemandem ein Vorwurf zu machen, wobei ich Mary Elizabeth Winstead (außer in Ang Lees "Gemini Man" noch nicht allzu oft gesehen habe. Sie erledigt ihren Job hier wirklich solide, mehr kann ich zu ihr aber auch nicht wirklich sagen. Wen ich gerne noch öfter im Film gesehen hätte, ist Woody Harrelson. Der macht hier als Kates Mentor Varrick eine gute Figur und hat ein paar Szenen, in denen mich seine Leinwandpräsenz echt gepackt hat. Leider sieht man den Kerl während der gesamten Spielzeit viel zu selten.

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Am Ende des Tages bleibt (mal wieder) eine Netflix-Produktion, um die vorab erst mal viel Hype gemacht wurde, die sich aber dann erwartungsgemäß bestenfalls zwischen "durchwachsen" und "ganz okay" einsortieren lässt. Kann man sich mal geben, muss es aber nicht. Dieses Qualitätsmerkmal hat sich ja für die hauseigenen Netflix-Werke mittlerweile fast schon als Standard etabliert. Wer sich anschauen möchte, wie das streamende Hollywood ostasiatische Action interpretiert, kann sich "Kate" durchaus mal geben. Allerdings darf man hier nichts Bahnbrechendes oder gar Innovatives erwarten. Denn wirklich alles in dem Film konnte man irgendwo und irgendwann schon mal erleben.

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"A man is rich in proportion to the number of things which he can afford to let alone.”
- Henry David Thoreau
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