Wenn ich mich richtig erinnere, dann erstreckt sich die Geschichte von Ende der 70er bis Anfang/Mitte der 90er – und wird auch sehr ruhig erzählt. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit erwartet, dass die jungen Leute mal Revolte machen, sich gegen das System stellen und einfach nur überleben wollen. Aber darum geht es gar nicht, auch nicht in der Romanvorlage von Kazuo Ishiguro. Die Protagonisten sind sich von Anfang an ihrer "Funktion" bewusst und legen es auch gar nicht darauf an, aus dem System auszubrechen. Aber genau das macht den Reiz der Erzählung auch aus.
Es geht hier um die Fragen, was Menschsein bedeutet, welche Rolle Zeit spielt und den Wert menschlichen Lebens. All diesen elementaren Fragen geht das Sci-Fi-Drama auf den Grund, und das angenehm unaufgeregt, dafür aber umso emotionaler. Wenn die jungen Leute Revoluzzer geworden wären, hätte das den Film in eine ganz andere (schon oft dagewesene) Richtung gelenkt. Stattdessen verhandelt "Alles, was wir geben mussten" ganz elementare und essenzielle Fragen.
Dass das so gut funktioniert, liegt zu einem erheblichen Teil an den Darstellern, vor allem an den älteren. Denn im Jugend- und Erwachsenenalter werden die drei Hauptfiguren von Andrew Garfield, Carrey Mulligan und Keira Knightley verkörpert, die hier allesamt überzeugen können. Jedenfalls nimmt man ihnen ihre Emotionen und Motive zu jederzeit ab.
Für alle, die den Film noch nicht gesehen haben, will ich an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Wenn man sich auf ihn einlässt und auf sich wirken lässt, entwickelt er irgendwie so eine unterschwellige Wucht. Und ich glaube, dass ich noch ein bisschen über die Story nachdenken werde – was für mich immer ein positives Zeichen ist, nachdem ich einen FIlm gesehen habe. Den Roman habe ich mir auch schon runtergeladen und werde ihn demnächst mal anfangen. Denke mal, dass der sicherlich noch ausführlicher und "intensiver" sein wird.
Meine Wertung:
